Mittwoch, 11. April 2012

2 - Orientierungscamp

Gerade in  der Universität angekommen beginnen auch schon die verschiedenen Informations- und Orientierungsveranstaltungen, wobei wir Austauschstudenten sehr viele Termine bei unserer netten Betreuerin vom Zentrum für Auslandsangelegenheiten haben. Um die Situation etwas klarer zu machen muss ich anmerken, dass es an unsere kleine Universität momentan gerade einmal 9 Austauschstudenten gibt. 4 Mädchen aus China, eine Koreanerin und 4 Deutsche. Es gibt auch noch einen kleinen Schwung anderer ausländischer Studenten, hauptsächlich aus China, aber diese bleiben meist für mindestens zwei Jahre und fallen somit nochmal in eine andere Kategorie als wir.

Das man in Japan ganz banale Dinge zum Teil 2, 3 mal erklärt bekommt habe ich vor ein paar Jahren schon erfahren müssen und hier läuft es genauso ab. Und eigentlich ist es doch wirklich interessant erklärt zu bekommen, wie man sich am besten die Hände waschen soll, damit auch alles ganz sauber ist. Oder nicht?

Zum Informationsprogramm soll auch eine kurze Reise nach Gunma zum Kusatsu-Onsen gehören und wir waren froh zu erfahren, dass auch alle Erstsemester der "Culture Studies" Fakultät mitfahren werden. Und dann kam das erste Treffen mit den studentischen Betreuern für die Reise und wir mussten erfahren, dass es für die "Studenten, die man eingliedern muss" - alle nicht-Japaner und zwei Japaner, die irgendwie wegen irgendwas von einer anderen Uni kommen - in einer eigenen Gruppe sind.

Abendessen im Camp

Wie läuft so ein Uni-Camp nun also ab?
Montag morgen haben sich alle Teilnehmer in der Uni in einem großen Hörsaal versammelt, um dort eine Stunde lang zu warten, bis es Zeit für die Abfahrt war. Information gab es die ganze Stunde lang keine und die Zeit war wohl nur da, damit auch keiner zu spät kommt. Und ich muss zugeben über den großen Zeitrahmen sehr glücklich gewesen zu sein, da ich meinen Wecker am morgen wohl überhört hatte und ich erst wach wurde, als meine liebe Zimmernachbarin los zu Treffpunkt wollte. Das wir dann 15 Minuten zu spät gekommen sind ist durch den großzügigen Zeitrahmen aber gar nicht richtig aufgefallen!
Und dann ging es ab in den Bus und unsere drei Betreuer haben gleich einen ganzen Schwung Infos an uns weitergegeben, die wir beim letzten Treffen eigentlich schon bekommen hatten. Als nächstes sollten wir uns alle dann auch noch vorstellen - wie wir heißen, woher wir kommen und wo wir jetzt wohnen. Selbstvorstellung auf japanisch geht von mal zu mal flüssiger ~

So weit, so gut. Unsere Betreuer waren mir ihrem Teil fertig und ich habe gerade zwei Sätze mit meiner Nachbarin gesprochen, da mussten wir am eigenen Leib erfahren, was es heißt Teil einer Japanischen Reisegruppe zu sein. Die Reiseleiterin vom Busunternehmen hatte sich das Mikro geschnappt und angefangen zu reden. Ihre Dialoge führte sie fast nur mit sich selbst und erzählte lang und breit, wie schön ihre Heimatstadt Nikko doch sei. Nach den ersten fünf Minuten habe ich versucht mein eigenes Gespräch fort zu setzten, als plötzlich etwas von "den Deutschen" durch das Mikro erklang. Bevor wir wussten, was nun passiert, steuerte die Reiseleiterin auch schon auf uns zu und begann ein Interview mit uns über japanisches Essen zu führen. Als sie mit unserer Reihe fertig war ging es weiter zur nächsten und so durch den ganzen Bus. Gyoza, Ramen, Gyoza, Natto, Umeboshi, Gyoza, Ramen, Sushi, Bier, Gyoza, Tonkatsu etc. Irgendwie haben wir es auf diesem Weg bis zum ersten halt geschafft, der allerdings nur wenige Minuten andauerte. Weiter ging es mit Programm im Bus und als unsere Koreanerin er gerade geschafft hatte für ein paar Minuten einzuschlafen mussten wir sie wieder wecken, weil die Betreuer ein wenig zur Zimmeraufteilung erzählen wollten. Mittagessen gab es dann beim zweiten Halt und kurz darauf haben wir auch schon unser Hotel erreicht.

Nach einer längeren Begrüßung und einem Spaziergang durch den Ort ging es dann für jede Gruppe in einen kleinen Nebenraum. Die normalen Klassen haben wohl einige Informationen zu ihrem Stundenplan bekommen, während unsere "Sondergruppe" basteln durfte. Jeder hat fleißig seine eigene Landesflagge gezeichnet, um sich später eindrucksvoll vor versammelter Mannschaft mal wieder vorstellen zu können ...

Aber dieses Mal haben sich immerhin nicht nur die Auslandsstudenten vorstellen müssen, denn auch die vielen Lehrer, die ebenfalls mit ins Camp gefahren sind, durften jeweils einige Worte zu sich sagen. Dann gab es wieder einige Informationen, bevor die Lehrer alle verschwanden und die Betreuer das Licht im großen Versammlungsraum aus machten. Als es wieder anging marschierte die ganze Gruppe in den lustigsten Verkleidungen wieder in den Raum. Von Pikachu über Son-Goku bis zum Weihnachtsmann war alles dabei! ~ Und dann wurde eine ganze Reihe von Spielen begonnen und die Stimmung schwankte zwischen Begeisterung, Verblüfftheit bis hin zur vollkommenen Verwirrung. Wir haben uns aber alle gut geschlagen und als die verschiedenen Gruppen gegeneinander in einem Renn-und-schnell-Trink-Wettbewerb gegeneinander antreten mussten hat unsere Gruppe sogar mir Abstand gewonnen! Und endlich war auch die Gelegenheit mit einigen der Japaner zumindest kurz ins Gespräch zu kommen.

Am Abend gab es auch noch kurz ein wenig freie Zeit und wir konnten einen Abstecher in das schöne Onsen mit Außenbereich machen, dass zum Hotel gehört. Und wer gedacht hat, dass alle brav und früh ins Bett geschickt werden, dem sei gesagt, dass es Nachts noch eine kleine Süßigkeitenparty zusammen mit den Betreuern gab ~

Recht kaputt mussten wir gegen 8 Uhr jedoch wieder aufstehen, durften das Buffett genießen und hatten dann noch einige Zeit, um unsere Stundenpläne zu erarbeiten und mit den anwesenden Lehrern über ihre Kurse zu sprechen. Schon am ersten Tag im Camp hatte uns eine der Lehrerinnen überrascht, als sie plötzlich in perfektem Deutsch mit uns gesprochen hat. Und als wir nun mit einer Frage zu einem der Lehrer sind hat auch er mit uns auf deutsch gesprochen. Da lernen wir Jahre lang japanisch und plötzlich sprechen in Japan scheinbar alle gutes deutsch!

Freundschaft zwischen Japan und Deutschland. (Kusatsu Onsen)

Im Bus zurück zur Universität wollten wir eigentlich alle nur noch schlafen, aber da war dann plötzlich wieder die muntere Reiseleiterin vom Vortag da, die auch heute nicht gerade für erholsamen Schlaf gesorgt hat!