Die ersten Wochen an der Universität in Japan sind vergangen und so langsam setzt der Alltag ein, der immer wieder auch von einigen besonderen Ereignissen unterbrochen wird. Eines der ersten war ein Ausflug nach Tokyo zum "
Hanami" - "(Kirsch-)Blüten betrachten" oder, aus deutscher Sicht, Picknick auf japanische Art.
Als wir gerade vom Orientierungscamp aus wieder die Universität erreichten standen die vielen Kirschbäume der Uni in voller Blüte und von allen Seiten hörte man begeisterte Ausrufe. Wie schön die Uni doch gerade aussieht! Und da sich die Blüten nur wenige Tage halten kam schnell von einem der Professoren eine Einladung für uns Austauschstudenten zum Hanami. Und so zogen wir am Wochenende los nach Tokyo in den Shinjuku Gyoen, den Kaiserlichen Park in Shinjuku.
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| Sakura (Shinjuku Gyoen) |
Eine unserer Sprachdozentinnen hatte im Unterricht spontan auch über Hanami gesprochen, weil es gerade so schön zur neuen Grammatik gepasst hat, und uns von einer anfangs stillen Nacht berichtet, in der sie Zuhause noch etwas länger arbeitend am Computer gesessen hatte. Es war wohl schon gegen 3 Uhr nachts, als von außen plötzlich seltsame Töne erklangen. Sie war zuerst etwas irritiert und begann schon zu überlegen, ob die Geräusche nicht nur ihrer Einbildung entsprangen, als sich der Klang wiederholte. Und plötzlich wurde ihr die Jahreszeit bewusst und es war ihr ganz klar, dass im Park nebenan wohl einige angetrunkene "
Sararyman" noch beim Hanami gesgessen sind. Alkohol gehört in der Regel zum Hanami dazu und so war es eigentlich auch nicht verwunderlich, mitten in der Nacht noch laute Töne zu hören.
Der Shinjuku Gyoen steht allerdings unter Verwaltung des Kaiserlichen Hofamtes und so herrscht dort selbst zur Hanami-Zeit ein absolutes Alkoholverbot. Aber um Essen und Trinken hatten sich so oder so der einladende Professor und unsere Ansprechperson vom Zentrum für Auslandsangelegenheiten gekümmert. Als wir es nach langem Anstehen vor dem Park auch noch geschafft hatten, einen schönen Platz in der Nähe einiger Kirschbäume zu finden, wurde das ganze mitgebrachte Essen ausgebreitet. Dann gab es Pappbecher für alle und eine Wasserflasche wurde als erstes geöffnet. Dass es sich beim Inhalt allerdings um Sake handelte, war spätestens beim ersten Schluck klar. Da hatte sich also selbst unser Professor nicht an das "kaiserliche Alkoholverbot" gehalten ...
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| Hanami-"Picknick" (Shinjuku Gyoen) |
Nach einem sehr sättigenden Essen gab es dann auch etwas Zeit für unsere Gruppe, eine Runde durch den Park zu drehen, um einige Fotos zu machen. Immer vorbei an den vielen blauen Planen, die die meisten Besucher statt Decken als Sitzfläche benutzten. Um die schönen Bäume drängten sich Unmengen von Menschen mit meist recht großen Kameras, um auf keinen Fall zu wenig grandiose Kirschblütenbilder zu schießen! Japan verfällt definitiv einmal im Jahr ins Kirschblütenfieber. Und das ist auch im Fernsehen nicht zu übersehen, da täglich mehrfach darüber berichtet wird, wo man aktuell die schönsten Kirschblüten betrachten kann.
In einem der folgenden Sprachunterrichte haben wir dann noch das japanische Soundwort lernen dürfen, mit dem man das Fallen der Kirschblüten beschreiben kann, bevor sie dann einige Tage später tatsächlich zu Fallen begonnen haben. Die Straßen waren von abgefallenen Kirschblüten gesäumt und wenn man jetzt noch blühende Kirschbäume sehen will, dann muss man weiter in den Norden in Richtung Hokkaido fahren ...