Donnerstag, 10. Januar 2013

8 - Busreisen

Das erste mal war ich 2008 in Japan. Als Tourist - und durch den damals sehr guten Wechselkurs - war es mir und meinen beiden Mitreisenden möglich, einen JR Railpass für zwei Wochen zu erwerben. Einen Gutschein für den Pass hatten wir in Deutschland gekauft und erhielten dafür am Narita Flughafen in Japan einen Pass, mit dem wir (fast) jeden Zug der Japan Railways ohne weitere kosten benutzen konnten. Selbst die Schnellzüge Shinkansen sind (fast) komplett inbegriffen und Platzreservierungen waren ebenfalls gratis! Mit dem JR Pass ging es dann einmal quer durchs Land und wieder zurück.

Momentan bin ich allerdings mit einem Studentenvisum in Japan und kann somit den JR Pass nicht nützen. Allerdings gibt es gute Alternativen zu den teuren Zügen der JR. Anders als in Deutschland gibt es ein ganzes Netz an regelmäßigen Fernstreckenbussen, die man zum Teil zu richtig günstigen Preisen nutzen kann. Und so war ich vor allen in meinem ersten halben Jahr in Japan häufig auf der Strecke Tokyo-Osaka unterwegs. Meist ging es Freitag Abend nach dem Unterricht per Nachtbus nach Osaka und Sonntag Nacht wieder zurück, direkt in die Universität.


Mein japanischer Freundeskreis war mehrfach fast "entsetzt", dass ich mir die Fahrten in den engen Bussen zumute, aber meine Lieblingsbusse waren weder zu eng noch entsetzlich unbequem - und Zeitlich sind die Nachtbusse für Wochenendreisen einfach am idealsten. Irgendwie konnte ich im Gegensatz zu vielen anderen auch immer gut schlafen ... so gut, dass ich einmal meinen Ausstiegsort sogar verpasst habe. Nur mit Handgepäck war ich in einem Bus unterwegs, dessen Fahrgäste zu sicherlich 90% zu den Universal Studios in Osaka wollten. Mein Ziel war allerdings die etwas frühere "Osaka Station", die ich glatt verpasst habe. Der Busfahrer hat es vergessen mich zu wecken und so stand ich plötzlich um 7 Uhr Morgens vor den Universal Studios. Immerhin sind diese Stadtnah und ich war mit dem Zug innerhalb von 10 Minuten zurück an meinem verpassten Ziel. Da hatte ich einfach zu gut geschlafen...

Monate später ging es mit meiner Schwester erneut nach Osaka und wieder bin ich gut in Träumen versunken, bis mich dieses mal allerdings der Fahrer erfolgreich geweckt hat. Anhand des abgegebenen Koffers im Gepäckraum waren wir dann doch nicht zu vergessen. Glück gehabt!

Es gibt sie aber auch, die unbequemen und viel zu engen Busse mit denen man nicht sehr gerne fährt. Meine letzte Busfahrt habe ich erst sehr spontan gebucht und durch einen Feiertag gab es nur noch Plätze in einem "Standart" Bus. Die Japanerin vor mir war schon am schlafen und hatte ihren Sitz so weit nach hinten geklappt, dass ich es fast nicht geschafft habe mich zu setzen. Eng, eng, mehr als eng. Aber schlafen geht dann irgendwie (schmerzhaft) doch. Etwas bessere und bequemere Busse bleiben dann aber doch meine Favoriten und mit dem "Japan Bus Pass" von Willer Express sind selbst diese wirklich preiswert.

Auch in Deutschland steigert sich das Angebot von Fernbussen endlich und wenn es bald auch noch mehr Nachtbusse geben würde, dann könnten sich meine Reisen in Deutschland auch steigern.

Dienstag, 27. November 2012

7 - Nagatachō

Es war Donnerstag Nachmittag, als mich ganz plötzlich eine dringende Mail von einem Mitarbeiter meiner japanischen Universität erreichte. Einer meiner Professoren hätte versucht, mich zu erreichen und ich solle ihn doch unbedingt so schnell wie möglich kontaktieren. Keine fünf Minuten später war eine Mail an ihn versendet und auch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Es steht zwar noch keine Uhrzeit fest, aber falls ich Lust hätte, dann könne ich am nächsten Tag mit ins Unterhaus des japanischen Parlaments, um die Parlamentsauflösung live mit zu erleben! Natürlich wollte ich!

Anfang des Jahres hatte ich unter anderem eine Vorlesung zur japanischen Politikgeschichte belegt und mein Professor hatte mir bald angeboten, einmal mit ins Parlament zu kommen, da er neben seiner Anstellung an meiner Universität auch noch als Berater in Nagatachō, dem "Politik-Viertel", tätig ist und sich somit ein Parlamentsbesuch leicht einrichten ließe. Als dann vor einiger Zeit eine wichtige Entscheidung über eine geplante Steuererhöhung anstand, wurde ich sofort gefragt, ob ich Lust hätte, am Tag der Entscheidung mit ins Parlament zu kommen. Letztendlich wurde die Abstimmung allerdings auf einen Termin gelegt, an dem es mir und auch dem Professor durch anstehenden Unterricht nicht möglich war, zu gehen. "Aber eine andere Chance kommt sicherlich!" Und hier war sie nun also!


Das japanische Parlamentsgebäude

Bei den Unterhauswahlen 2009 hatte es die Demokratische Partei Japans (DPJ) erstmals geschafft, die Mehrheit im Unterhaus zu erlangen und somit den Premierminister, damals Yukio Hatoyama, zu stellen. Hatoyama und sein Nachfolger Naoto Kan traten allerdings noch vor den nächsten Wahlen zurück und so wurde Yoshihiko Noda zum aktuellen Premiermister. Er schaffte es, die Steuererhöhung durchzusetzen, musste der Opposition allerdings versprechen, das Unterhaus "bald" aufzulösen und Neuwahlen einzuberufen. Und genau dazu kam es am Freitag, dem 16. November.

Als ich vormittags im Zug nach Tokyo saß wusste ich noch immer nicht, wann genau ich meinen Professor im Nagatachō treffen solle, allerdings kam schon bald eine Nachricht mit Treffpunkt und Zeit von ihm. Die Parlamentsauflösung selbst würde wohl nur wenige Minuten dauern, aber die Vorfreude und Spannung war dennoch groß.

Angekommen an der richtigen Metro-Station musste ich erst noch ein paar Minuten warten, da ich zur Sicherheit doch ein wenig sehr früh am ausgemachten Treffpunkt war. Wenig später ging es dann aber mit dem Professor erst einmal in Richtung Kantei (官邸), dem Amtssitz des Premierministers, um von außen gleich ein paar Fotos zu machen. Zu meinen Erstaunen sind wir dann aber nicht gleich zurück in Richtung Parlamentsgebäude, sondern direkt auf den Eingang des Kantei zu und ich bekam einen Besucher-Ausweis ausgehändigt. Der Politik-Professor hatte mich also nicht nur für die Auflösung des Parlaments angemeldet, sondern auch gleich noch an einigen anderen Stellen. Und so ging es mit Sondererlaubnis also hinein in den Amtssitz des Premierministers und einer seiner Sekretäre nahm sich die Zeit, mit uns eine kleine Runde durch das Gebäude zu drehen. In den dritten Stock durfte ich dann allerdings nicht - da hat man nur als Japaner zutritt. Aber nachdem man in der Regel auch als Japaner generell kaum das Gebäude betreten darf will ich mich mal nicht beschweren.

Langsam wurde es dann aber Zeit, hinüber ins Parlament zu gehen, denn immerhin war ich heute gekommen, um der Auflösung des Parlaments beizuwohnen. Den Besucherausweis des Kantei gab ich zurück und bekam sogleich einen neuen für's Parlament, sowie ein Ticket für die Zuschauertribüne im Sitzungssaal des Unterhauses überreicht. Durch den Besuchereingang auf der Rückseite des Parlamentsgebäudes ging es dann ab zum Security Check und alle mitgebrachten Gegenstände (Tasche, Mantel, Kamera, Handy,...) wurden in Schließfächern verstaut. Die Sitzplätze für Zuschauer im Sitzungssaal waren schon sehr voll und weiter hinten füllten sich bereits die Stehplätze ebenfalls. Allerdings hatte ich Glück und konnte noch einen Sitzplatz ergattern. (Für die kommenden - wenn überhaupt - 15 Minuten.) Langsam erschienen immer mehr und mehr Abgeordnete im Saal und als um ca. 13.50Uhr alle anwesend waren erschien der Unterhaussprecher und las einen Brief des Kaisers vor, in dem dieser der Unterhausauflösung zustimmte. Immer wieder gab es Zwischenrufe von Abgeordneten und als der kurze Brief dann zu Ende gelesen war verfielen alle Abgeordneten in laute "Banzai"-Rufe. Relativ synchron sogar. Im Vergleich mit dem deutschen Bundestag war hier doch eine ganz andere Atmosphäre zu beobachten.


Nach drei Minuten war alles vorbei und die Abgeordneten verschwanden nach und nach wieder aus dem Plenarsaal. Ich konnte meine Sachen aus dem Schließfach befreien, bevor ich mit meinem Professor hinterher erneut das Parlamentsgebäude betreten konnte. Dieses Mal allerdings ein Stockwerk tiefer - direkt zu den Abgeordneten, die gerade dabei waren, Presseinterviews zu geben. Ich scheine der einzige "Parlamentstourist" zu diesem Zeitpunkt gewesen zu sein - alle anderen wirkten höchst beschäftigt. Also versuchte ich, möglichst Keinem im Weg zu stehen und war ganz froh, als ab und an vom Professor die ein oder andere Erklärung kam, wer denn gerade von den ganzen Pressemenschen umzingelt war. Im Raum gegenüber sollte gleich noch eine Versammlung des Kabinetts stattfinden und so ist dann auch ein Minister nach dem anderen genau an mir vorbei gelaufen, immer vom Blitzlicht der Kameras begleitet. Während der Versammlung wurde es außerhalb etwas ruhiger und ich einmal querbeet durch die Gänge des Unterhauses geführt - vorbei am Raum des Kaisers, einmal durch die Haupthalle und ganz kurz auch in den Gebäudeflügel des Oberhauses, da mein Professor wohl irgendwo mal falsch abgebogen war. 

Bis zum nächsten Termin um 17 Uhr war noch immer etwas Zeit, also wurde ich (mit schon wieder einem neuen Ausweis) hinüber ins Arbeitsgebäude der Unterhausabgeordneten geleitet. Dieses Mal auch einfach vorbei an den Sicherheitskontrollen und direkt nach oben ins dortige Büro von Premierminister Noda. "Setz dich mal auf Nodas Stuhl, wir machen ein Foto!" hieß es plötzlich - ich glaube, heute kann mich nichts mehr überraschen! Einige Fotos später haben wir noch einmal das Gebäude gewechselt und somit hatte ich auch gleich schon den nächsten Ausweis in der Hand, dieses Mal für das Arbeitsgebäude der Oberhausabgeordneten. Dort fand um 17 Uhr eine Versammlung aller Ober- und Unterhausabgeordneten der DPJ statt und nachdem sich wieder überall fotografierende Medienvertreter befanden, traute ich mich auch zum ersten Mal, meine eigene Kamera aus der Tasche zu fischen und ein paar Fotos zu schießen. Nach kurzen Reden einiger DPJ Mitglieder war Premierminister Noda an der Reihe und sprach selbst einige Worte. "Jetzt wird sich entscheiden, ob Japan weiter nach vorne geht, oder ob es einen Schritt zurück macht!" Zum Ende der Rede erhoben sich alle Abgeordneten, standen gegenüber von Noda und von allen Seiten begann sich die DPJ-Mitglieder mit einem lauten "Ganbarou!" und einer nach oben gestreckten Faust gegenseitig anzufeuern. Dennoch, die Chancen bei der nächsten Wahl werden auch dadurch wohl nicht wachsen ....

Premierminister Noda spricht vor den Parlamentsabgeordneten der DPJ

Fast parallel zum Premierminister ging es wieder aus dem Gebäude und noch einmal ein paar Häuser weiter ins Büro meines Professor, der wohl mehr Connections im Regierungsviertel hat, als mir zuvor klar war. Im Fernsehen wurde noch kurz die Pressekonferenz von Noda verfolgt, wobei er fast genau die Worte wie schon eine halbe Stunde früher bei seiner Rede verwendete. Eine letzte Überraschung am Abend gab es dann aber doch noch: Zwar wusste ich, dass ich zum Shabu-Shabu-Essen (Fleisch, Gemüse etc. wird in einer Art Topf am Tisch zubereitet und sofort gegessen) eingeladen war, allerdings stand plötzlich Fleisch in einer Qualität, wie ich sie noch nie probiert hatte, vor mir. Dass es zwischen normalem und richtig gutem Fleisch solch einen großen Geschmacksunterschied gibt, war mir wirklich nicht bewusst gewesen. Und so kam ein sehr spannender Tag dann auch zu einem überragenden Ende.


Mittwoch, 19. September 2012

6 - Fuji

Als Austauschstudentin habe zumindest ich den Drang möglichst viel in meinem Jahr in Japan zu erleben. Ich bin mir zwar eigentlich recht sicher, dass dieses Jahr nicht mein einziger längerer Aufenthalt in Japan bleiben wird, aber vor allem die langen Sommerferien bieten sich doch perfekt dafür an, den ein oder anderen Punkt der "Japan: To-Do-Liste" abzuhaken. Die Liste beinhaltet einige ernsthafte (und einfache) Ziele, sowie ein paar Punkte bei denen ich eigentlich nicht damit gerechnet hätte, dass ich sie jemals als "erlebt" streichen können würde.

Zur zweiten Kategorie gehörte der Punkte: "nach Tokyo laufen". Mit dem Zug dauert die über 40 Kilometer lange Stecke 50 Minuten - zu Fuß wesentlich länger. Die Idee den Weg einmal zu laufen war schon lange wieder aus meinem Kopf verschwunden, als an der Uni plötzlich Plakate für einen "Overnight Walk" aufgetaucht sind. Die Aktion klang gut und so bin ich einige Wochen später mit knapp 100 anderen Studenten von Ikebukuro (Tokyo) aus bis zu meiner Universität gelaufen. 42 Kilometer in 13 Stunden. 12 Uhr nachts bis 13 Uhr mittags. Am Ende sind einige der Mitstudenten humpelnd bis zur Uni, aber nur wenige haben auf dem Weg aufgegeben. Und ich war überrascht, wie fit ich zum Ende hin noch war. Die Politikdiskussionen der ersten Stunden sind auf dem Weg allerdings dann doch im Regen der letzten Stunden in Schweigen übergegangen. Viel später fiel ein zufälliger Blick auf die "To-Do-Liste" und besagter Punkt wurde kurzerhand in "von Tokyo aus zur Uni laufen" geändert und abgehakt.

13 Stunden Laufen waren erfolgreich geschafft und so wartete noch eine Steigerung: Einmal hoch auf den Fuji und wieder hinunter.

Der Gipfel des Fuji - gesehen von Station 5 der Subashiri Wanderroute

Die Wandersaison für den Fuji ist relativ knapp, da selbst im Hochsommer auf 3700 Metern noch Schnee zu sehen ist. Und so sind die Rasthütten ab Juli nur für ungefähr 2 Monate geöffnet. Anfang August habe ich mich dann auf den Weg gemacht.

Auf die spontane Frage: "Hat jemand Lust den Fuji zu besteigen?" bekam ich einige bejahende Antworten und so waren wir letztendlich eine Gruppe von acht Personen. Neben drei Deutschen, einer Slowakin, zwei Koreanern und einem Chinesen hat sich auch ein Japaner zu uns gesellt. Mit dieser Gruppe ging an einem  Sonntag Mittag mit dem Zug zuerst nach Gotemba und dann mit dem Bus hoch zur 5ten Station der Subashiri Wanderroute. Später als ursprünglich geplant sind wir erst gegen 19 Uhr dort gewesen, allerdings wurde uns gleich erzählt, dass 20 Uhr die perfekte Zeit ist, um die Wanderung zu beginnen. Wenn man zu früh geht muss man oben in der Kälte länger ausharren. Wir sind dann allerdings doch schon kurz nach 19 Uhr los und das hat sich später auch als die richtige Entscheidung erwiesen.


Nachtausblick vom Fuji

Der erste Teil der Strecke führte noch durch den Wald und schon nach der ersten Stunde zeigte sich, dass die Strecke für einige doch eine große Herausforderung werden würde. Eine deutsche Freundin war extra aus Osaka gekommen um mit uns den Fuji zu erklimmen und eigentlich wäre das Ganze wohl kein Problem gewesen, wenn sie sich nicht wenige Tage vorher stark erkältet hätte. Ihr Gesundheitszustand hatte sich zwar bereits stark verbessert, aber die Idee, sich dennoch auf den Fuji zu wagen war nicht ihre beste. Zwei Stunden vor dem Gipfel blieb sie dann an einer der Raststationen, bei denen man auch übernachten kann, zurück. Die Aussicht bei Sonnenaufgang war auch nicht viel anders als von (fast) ganz oben. Aber auch der Rest der Truppe hatte ein sehr unterschiedliches Tempo und so haben wir uns natürlich immer dem gerade Langsamsten angepasst.

Je weiter wir nach oben gekommen sind, desto kälter wurde es und ein warmer Tee oder eine Schüssel Instantnudeln wurde immer verlockender. Da die Preise an den Raststationen allerdings mehr als unglaublich waren wurde darauf verzichtet und Proviant (ich sage nur „selbstgebackenes BROT“!) hatten wir genug dabei.

Die Subashiri Wanderroute ist eine der einsameren Wege und wir sind nur selten anderen Bergsteigern begegnet. Mehrfach hatten wir auch schon gelesen, dass der Fuji besonders vermüllt sein soll, zumindest bei unserer Route war dies aber nicht der Fall und wenn es nicht dunkel gewesen wäre, so hätten wir sicher viele gute Fotos machen können. Der Blick nach unten auf die beleuchteten Städte hat sich jedoch auch gelohnt!

Erst als sich eine weitere Wanderroute mit unserem Weg vereinigte wurde es belebter. Und die letzte Stunde ging es dann auch nur noch im Schneckentempo weiter voran. Immer einen Schritt hinter dem Vordermann oder der Vorderfrau mit vielem stehen bleiben zwischendurch. Immer schön in der Menschenschlange. Aus diesem Grund war der Gipfel bis zum Sonnenaufgang allerdings nicht mehr zu erreichen. Aber wir fanden gerade rechzeitig zu Beginn des Morgens einen guten Platz nur wenige Höhenmeter unter unserem Ziel von dem aus der Sonnenaufgang schön zu sehen war.

Sonnenaufgang über Japan

Natürlich ging es dann auch noch den letzten Rest des Weges bis zum Gipfel des Vulkans. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir großes Glück mit dem Wetter. Zwar war es auf 3776 Metern Höhe auch im August noch so kalt, dass man hier und dort Schnee entdecken konnte, aber zumindest beim Sonnenaufgang hatten wir eine tolle Aussicht. Auch ein Blick in den Vulkankrater erlaubte das Wetter und die gute Sicht. Erst als wir uns gerade auf den Weg machen wollten einmal um diesen herum zu laufen begann es neblig zu werden. Plötzlich war nichts mehr zu sehen und wir entschieden uns doch dafür, den Abstieg zu beginnen.

Einige Stationen weiter unten sammelten wir unsere mittlerweile gut ausgeruhte Freundin wieder ein und weiter ging es bergab. Der Abstiegsweg unterschied sich vom Aufstiegsweg und wir kamen über die Geröllwege schnell voran. Letztendlich zeigte sich aber spätestens hier, dass (Wander-)Schuhe mit gutem Profil sehr hilfreich sind. So sah man den ein oder anderen ohne beim Abstieg auch mehrfach unfreiwillig im Sitzen den Berg hinab rutschen.

Fast ganz unten wurde der bisher sehr schöne Ausflug allerdings nochmal eine Nervenprobe. Unerwartet und plötzlich begann es heftig zu Regnen und bis auf unseren japanischen Freund war niemand perfekt für das Wetter ausgerüstet. Ich quetschte mich in meine viel zu kleine Regenjacke und hatte beim packen vor allem vergessen, dass mein Stoffrucksack natürlich nicht regenfest ist. Zwischendurch hörte der starke regen einmal plötzlich von einer sekunde auf die andere komplett auf. Leider blieb das nur für zwei Minuten so und dann schüttete es einfach so sark wie zuvor weiter. Endlich beim Bus an der 5ten Station angekommen konnten wir unsere pitschnassen Kleider auswringen und jeder der etwas Wechselkleidung hatte durfte sich freuen. Zurück ging es dann mit vielen nassen Sachen in Plastiktüten.

Gelohnt hat sich die Tour aber auf jeden Fall sehr. Und wenn man neben viel Proviant, guten Schuhen, warmer Kleidung und Regensachen auch noch Wechselkleidung dabei hat, dann kann eigentlich nichts schief gehen!

Sonntag, 22. Juli 2012

5 - Schlange

Seit ich hier bin sind mir immer wieder Menschenmassen begegnet, die brav in einer langen Schlange vor einem neuen Kaufhaus, Sonderangeboten etc. anstanden, manchmal sogar mehrfach um einen ganzen Gebäudeblock herum - aber eigentlich war die "Schlange", der ich diesen Post widmen will, tatsächlich tierischer Natur. Ob giftig - oder nicht - sei dahingestellt.


Meine Universität und mein Wohnheim liegen, obwohl sie nur eine Stunde von Tokyo entfernt sind, doch relativ im Nichts. Natürlich gibt es einen Conbini (Convenience Store - ein kleiner 24 Stundenladen mit Lebensmitteln, Zeitschriften und einigem anderen), den man in 5 Minuten zu Fuß erreichen kann, und wir haben sogar einen "Do it yourself"Markt in der Nähe, aber zumindest die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung hören dann auch schon wieder auf. Durch Schulbusse ist es aber zumindest Werktags recht einfach zu den nächsten Bahnhöfen zu kommen. Also muss man hier nicht verzweifeln.

Andererseits beginnen genau hinter der Uni einige Hügel und alles ist bewaldet. Die Gegend hier ist wohl auch eine gute Umgebung, um Wandertouren zu starten. Und so bin ich in einer meiner ersten Wochen hier an der Universität am Wochenende einmal gegen 6 Uhr morgens spontan losgelaufen - ab in den Wald. Mein anfangs schöner Weg ist, je weiter ich gekommen bin, immer undeutlicher geworden und irgendwann war ich mir doch unsicher, ob ich nicht einfach mitten im Nichts gelandet bin. Immerhin war ich zwischenzeitlich an einem Funkmast vorbei gekommen und so hatte selbst mein Softbank-Handy Empfang. (Softbank scheint von allen japanischen Handyanbietern die meisten Probleme in Bezug auf den Handyempfang zu machen ...) Ganz auf mich allein war ich also nicht gestellt!

Um 7 Uhr morgens - vor allem wenn man in der Nacht davor nicht geschlafen hatte - kommt man doch auf komische Gedanken. Wenn jetzt ein Erdbeben kommen sollte (bisher hatte ich keines erlebt) und mir etwas passiert, findet mich dann je jemand mitten im Wald? Und angeblich gibt es hier doch Schlangen. Was, wenn ich einer begegne? Nichts davon ist letztendlich passiert und später habe ich tatsächlich einen Wegweiser gefunden. Zwei Richtungen und beide führen zu kleinen Tempeln. Die Zivilisation hat sich also wieder finden lassen.

Auf dem Rückweg ging es dann noch durch ein anderes Hügel-Waldstück und dort waren sogar richtige Wege zu finden. Meiner verschwand jedoch wieder und so musste ich mich irgendwann durchs Gestrüpp kämpfen. Das "Betreten VERBOTEN" Schild, das plötzlich am Rande meines kleinen Pfades lag, wurde dann auch nicht weiter beachtet - in welche Richtung es wohl gedeutet hat?

"Gefahr! - Betreten Verboten": Aber WO?

Nachdem diese erste Erkundungstour - trotz hoher Schuhe, denn eigentlich sollte es ein ganz kurzer Spaziergang und keine Bergtour werden - sollten weitere folgen. Durch viele Termine, einen Gruppenausflug zu einem anderen Berg und der beginnenden Regenzeit hat sich ein zweiter "Spaziergang" im Wald hinter der Uni jedoch etwas verschoben und verschoben.

Letztens war dann aber endlich Zeit und so bin ich wieder los, dieses Mal von einer anderen Stelle hinein in den Wald. Die ersten "Achtung Schlangen" Schilder waren schnell gesichtet und so ganz alleine unterwegs war wieder Zeit, sich Gedanken zu machen. Aber mir wird schon keine Schlange über den Weg laufen.

Gleich an der ersten Kreuzung habe ich mich für den schmaleren der beiden Wege entschieden, musste aber umdrehen, da vor mir plötzlich nur noch ein Abhang war. Dann ging es also doch den normalen und breiten Weg entlang, der mich schon nach wenigen Minuten an eine Stelle brachte, die ich von meinem ersten Spaziergang noch kannte - das "Wunderland". Hier stehen lauter große und kleine Figuren aus Holz in den Formen von Mäusen, einem Uhu etc. Etwas den Hügel nach unten verlagert ist auch ein Rastplatz und da ein Wegweiser mit dem Namen meiner Uni in diese Richtung zeigte bin ich diesem spontan gefolgt. Es war furchtbar schwül an dem Tag und so war es mir ganz recht, wenn sich der Spaziergang als eher kurz herausstellen würde. ... Falsch gedacht!

Am Rastplatz - einem großen Tisch mit Bänken drum herum - angekommen begann dann auch mein "Drama". Während ich gerade dabei war eine Nahaufnahme zu fotografieren hörte ich hinter mir plötzlich ein Rascheln. Ich drehe mich um und brauche ein paar Sekunden um zu realisieren, dass ganz nah hinter mir eine Schlange ist. In erster Reaktion mache ich einen Sprung nach hinten und schwenke den Blick um mich herum. Keine anderen Schlangen sind zu sehen und ich kann meinen Blick auf das Exemplar am Rastplatz werfen. Der erste Schreck sitzt noch tief in den Knochen aber mit etwas Abstand fühle ich mich wieder ein wenig sicherer und wage es ein paar Fotos aus der Ferne zu machen. Und jetzt entdecke ich auch, dass die Schlange gerade dabei ist einen Frosch zu verschlingen.

Solange die Schlange den Frosch isst bin ich wohl sicher!

Ich verweile nicht mehr lange und will nur noch so schnell wie möglich zurück zur Universität. Kaum bin ich 5 Minuten gelaufen sieht man mich aber erneut panisch aufspringen. Lediglich eine Mail an mein Handy hatte ich bekommen, aber das Vibrationssignal des Handys hat mich, die immer noch sehr erschreckt ist - erneut furchtbar überrascht. Ich antworte nur ganz schnell auf die Mail und als weitere 2 Minuten späternoch eine Antwort kommt zuckte ich wieder zusammen.

Der Weg zur Universität verläuft sich im Nichts und so darf ich nach einem längeren Lauf - immer schön mit dem Blick in alle Richtungen um ja nicht noch eine Schlange zu übersehen - wieder umkehren. Immerhin muss ich nicht noch einmal direkt am Rastplatz vorbei. Ich versuche auf breiteren Wegen zu bleiben und beeile mich. Ich will so schnell wie möglich aus dem Wald heraus. Vorerst war das wohl mein letzter Spaziergang ganz alleine im Wald.

Weitere 2 Wochen später taucht dann am Wohnheim ein Warnschild auf: Achtung Schlangen. Und während alle Anderen etwas besorgt über das Schild reden bin ich ganz gelassen - meine Schlangenbegegnung hatte ich ja bereits.

Freitag, 1. Juni 2012

4 - Geburtstag

"Was macht man denn in Japan typischerweise an seinem Geburtstag?" Zwei Wochen vor meinem Geburtstag stand fest, dass ich nach Osaka fahren und dort mit einigen Freunden feiern würde, aber ein genauer Plan fehlte noch immer. Die Frage an eine japanische Freundin, wie denn japanische Geburtstage gefeiert werden, lies mich auch nicht an eine faszinierende "japanische" Antwort glauben, sondern war mehr die Hoffnung auf einen spontanen Einfall, denn "Feiern" ist hier doch auch von Person zu Person unterschiedlich. "Essen gehen, Karaoke etc." kam dann auch als Antwort.

Mit Hilfe einer anderen Freundin wurden schließlich ein Tisch in einem "amerikanischen" Restaurant in Osaka reserviert und gleich ein "Kurs" (コース), also ein Speisemenü, mit Getränken dazugebucht. Wie in Japan üblich, war der Tisch auf eine bestimmte Zeitspanne - 2 Stunden - beschränkt. Begleitet von lustigen Gesprächen (unsere aufkommende Atomenergiedebatte wurde aufgrund des Anlasses doch nach wenigen Minuten ausgebremst~) wurde viel gegessen und getrunken und manch einer der deutschen Anwesenden hat sich eventuell etwas gewudert, warum beim "American Style Menu" auch Pizza und Spaghetti dabei waren.

Als wir alle schon recht gesättigt waren ging plötzlich im ganzen mitlerweile sehr vollen Restaurant, das Licht aus und die japanische Freundin, die den Tisch reserviert hatte, zückte ganz schnell ihre Kamera und erklärte mir auf Nachfrage nur, dass es nun eine Show geben würde ...

Einige Wochen früher war ich mit einigen japanischen und deutschen Studenten in Tokyo beim Essen gewesen und plötzlich gab es dort auch eine kleine "Show". Die Trennvorhänge zwischen den einzelnen Tischen wurden vom Kellner nach oben weggebunden, das Licht wurde gedämmt und dann durfte das ganze kleine Lokal laut Happy Birthday rufen und einer der bei uns am Tisch sitzenden Japanerinnen gratulieren. Am Vortag war ihr Geburtstag gewesen und das hatte man bei der Tischreservierung wohl erwähnt. Auf ihrem Kopf hatte sie schnell einen großen Hut in Form einer Geburtstagstorte und zur Feier gab es auch noch einen riesigen Eisbecher, den wir selbst zu Zehnt am Ende nicht ganz essen konnten.

Als Überraschung gab es Kuchen!

In Osaka war das Licht nun also ganz aus und die Gäste des doch recht großen Lokales waren fast alle verwundert. Dann schnappte sich einer der Kellner ein Mikro und ich hörte nur etwas von "sitzt ganz hinten". Bin damit etwa ich gemeint? Als dann laut mein Name, zusammen mit einem "Happy Birthday", vom ganzen Lokal gerufen wurde, gab es kein Entkommen mehr. (Nur gut, dass mein deutscher Name im japanischen auch existiert und die anwesenden Japaner sich nicht an Namen wie Carla, Ulrike, etc. versuchen mussten! Wobei das sicherlich auch lustig gewesen wäre.) Das man plötzlich gemeinsam mit dem ganzen Restaurant feiert ist wohl in Japan auch keine Seltenheit. Für mich und den ganzen Tisch gab es dann auch Kuchen und noch einen extra Cocktail. Ein Gruppenfoto wurde geschossen und gleich ausgedruckt, so dass jeder am Tisch noch unterschreiben konnte. Eine schöne Erinnerung und eine große Überraschung.

Zurück in der Kanto-Region sollte eine Woche später noch einmal gefeiert werden, da eine andere Ausstauschstudentin nur wenige Tage nach mir ebenfalls Geburtstag hatte und so eine Gelegenheit muss man doch wahrnehmen um gemeinsam zu feiern. Zwei Stunden ins Izakaya wo es noch einmal einen Kuchen zur Überraschung gab. Und das, wo unser zweites Geburtstagskind schon Tage früher bedauert hatte, dass auf der Speisekarte leider keine Kuchen als Dessert stehen. Über den Geburtstagskuchen konnte sie sich dann um so mehr freuen. Gesungen wurde auch - auf englisch, chinesisch, koreanisch, slovakisch und deutsch. Als Zugabe gab es dann auch noch eine improvisierte und eigens verfasste japanische Version, da man hierzulande das Lied eigentlich immer nur auf Englisch singt. Aber 誕生日が来たよ、誕生日が来たよ (tanjoubi ga kita yo!) klingt doch auch recht nett. Es folgte ein lustiger Karaokeabend, der bis in die Morgenstunden andauerte und ich darf wohl behaupten, dass es ein sehr lustiger Abend war.

"Wie feiert man in Japan typischerweise Geburtstag?" Eigentlich ist es ganz egal wo und wie man feiert, solange man genügend Freunde dabei hat, oder?


Donnerstag, 3. Mai 2012

3 - Hanami

Die ersten Wochen an der Universität in Japan sind vergangen und so langsam setzt der Alltag ein, der immer wieder auch von einigen besonderen Ereignissen unterbrochen wird. Eines der ersten war ein Ausflug nach Tokyo zum "Hanami" - "(Kirsch-)Blüten betrachten" oder, aus deutscher Sicht, Picknick auf japanische Art.

Als wir gerade vom Orientierungscamp aus wieder die Universität erreichten standen die vielen Kirschbäume der Uni in voller Blüte und von allen Seiten hörte man begeisterte Ausrufe. Wie schön die Uni doch gerade aussieht! Und da sich die Blüten nur wenige Tage halten kam schnell von einem der Professoren eine Einladung für uns Austauschstudenten zum Hanami. Und so zogen wir am Wochenende los nach Tokyo in den Shinjuku Gyoen, den Kaiserlichen Park in Shinjuku.

Sakura (Shinjuku Gyoen)
Eine unserer Sprachdozentinnen hatte im Unterricht spontan auch über Hanami gesprochen, weil es gerade so schön zur neuen Grammatik gepasst hat, und uns von einer anfangs stillen Nacht berichtet, in der sie Zuhause noch etwas länger arbeitend am Computer gesessen hatte. Es war wohl schon gegen 3 Uhr nachts, als von außen plötzlich seltsame Töne erklangen. Sie war zuerst etwas irritiert und begann schon zu überlegen, ob die Geräusche nicht nur ihrer Einbildung entsprangen, als sich der Klang wiederholte. Und plötzlich wurde ihr die Jahreszeit bewusst und es war ihr ganz klar, dass im Park nebenan wohl einige angetrunkene "Sararyman" noch beim Hanami gesgessen sind. Alkohol gehört in der Regel zum Hanami dazu und so war es eigentlich auch nicht verwunderlich, mitten in der Nacht noch laute Töne zu hören.

Der Shinjuku Gyoen steht allerdings unter Verwaltung des Kaiserlichen Hofamtes und so herrscht dort selbst zur Hanami-Zeit ein absolutes Alkoholverbot. Aber um Essen und Trinken hatten sich so oder so der einladende Professor und unsere Ansprechperson vom Zentrum für Auslandsangelegenheiten gekümmert. Als wir es nach langem Anstehen vor dem Park auch noch geschafft hatten, einen schönen Platz in der Nähe einiger Kirschbäume zu finden, wurde das ganze mitgebrachte Essen ausgebreitet. Dann gab es Pappbecher für alle und eine Wasserflasche wurde als erstes geöffnet. Dass es sich beim Inhalt allerdings um Sake handelte, war spätestens beim ersten Schluck klar. Da hatte sich also selbst unser Professor nicht an das "kaiserliche Alkoholverbot" gehalten ...

Hanami-"Picknick" (Shinjuku Gyoen)
Nach einem sehr sättigenden Essen gab es dann auch etwas Zeit für unsere Gruppe, eine Runde durch den Park zu drehen, um einige Fotos zu machen. Immer vorbei an den vielen blauen Planen, die die meisten Besucher statt Decken als Sitzfläche benutzten. Um die schönen Bäume drängten sich Unmengen von Menschen mit meist recht großen Kameras, um auf keinen Fall zu wenig grandiose Kirschblütenbilder zu schießen! Japan verfällt definitiv einmal im Jahr ins Kirschblütenfieber. Und das ist auch im Fernsehen nicht zu übersehen, da täglich mehrfach darüber berichtet wird, wo man aktuell die schönsten Kirschblüten betrachten kann.

In einem der folgenden Sprachunterrichte haben wir dann noch das japanische Soundwort lernen dürfen, mit dem man das Fallen der Kirschblüten beschreiben kann, bevor sie dann einige Tage später tatsächlich zu Fallen begonnen haben. Die Straßen waren von abgefallenen Kirschblüten gesäumt und wenn man jetzt noch blühende Kirschbäume sehen will, dann muss man weiter in den Norden in Richtung Hokkaido fahren ...

Mittwoch, 11. April 2012

2 - Orientierungscamp

Gerade in  der Universität angekommen beginnen auch schon die verschiedenen Informations- und Orientierungsveranstaltungen, wobei wir Austauschstudenten sehr viele Termine bei unserer netten Betreuerin vom Zentrum für Auslandsangelegenheiten haben. Um die Situation etwas klarer zu machen muss ich anmerken, dass es an unsere kleine Universität momentan gerade einmal 9 Austauschstudenten gibt. 4 Mädchen aus China, eine Koreanerin und 4 Deutsche. Es gibt auch noch einen kleinen Schwung anderer ausländischer Studenten, hauptsächlich aus China, aber diese bleiben meist für mindestens zwei Jahre und fallen somit nochmal in eine andere Kategorie als wir.

Das man in Japan ganz banale Dinge zum Teil 2, 3 mal erklärt bekommt habe ich vor ein paar Jahren schon erfahren müssen und hier läuft es genauso ab. Und eigentlich ist es doch wirklich interessant erklärt zu bekommen, wie man sich am besten die Hände waschen soll, damit auch alles ganz sauber ist. Oder nicht?

Zum Informationsprogramm soll auch eine kurze Reise nach Gunma zum Kusatsu-Onsen gehören und wir waren froh zu erfahren, dass auch alle Erstsemester der "Culture Studies" Fakultät mitfahren werden. Und dann kam das erste Treffen mit den studentischen Betreuern für die Reise und wir mussten erfahren, dass es für die "Studenten, die man eingliedern muss" - alle nicht-Japaner und zwei Japaner, die irgendwie wegen irgendwas von einer anderen Uni kommen - in einer eigenen Gruppe sind.

Abendessen im Camp

Wie läuft so ein Uni-Camp nun also ab?
Montag morgen haben sich alle Teilnehmer in der Uni in einem großen Hörsaal versammelt, um dort eine Stunde lang zu warten, bis es Zeit für die Abfahrt war. Information gab es die ganze Stunde lang keine und die Zeit war wohl nur da, damit auch keiner zu spät kommt. Und ich muss zugeben über den großen Zeitrahmen sehr glücklich gewesen zu sein, da ich meinen Wecker am morgen wohl überhört hatte und ich erst wach wurde, als meine liebe Zimmernachbarin los zu Treffpunkt wollte. Das wir dann 15 Minuten zu spät gekommen sind ist durch den großzügigen Zeitrahmen aber gar nicht richtig aufgefallen!
Und dann ging es ab in den Bus und unsere drei Betreuer haben gleich einen ganzen Schwung Infos an uns weitergegeben, die wir beim letzten Treffen eigentlich schon bekommen hatten. Als nächstes sollten wir uns alle dann auch noch vorstellen - wie wir heißen, woher wir kommen und wo wir jetzt wohnen. Selbstvorstellung auf japanisch geht von mal zu mal flüssiger ~

So weit, so gut. Unsere Betreuer waren mir ihrem Teil fertig und ich habe gerade zwei Sätze mit meiner Nachbarin gesprochen, da mussten wir am eigenen Leib erfahren, was es heißt Teil einer Japanischen Reisegruppe zu sein. Die Reiseleiterin vom Busunternehmen hatte sich das Mikro geschnappt und angefangen zu reden. Ihre Dialoge führte sie fast nur mit sich selbst und erzählte lang und breit, wie schön ihre Heimatstadt Nikko doch sei. Nach den ersten fünf Minuten habe ich versucht mein eigenes Gespräch fort zu setzten, als plötzlich etwas von "den Deutschen" durch das Mikro erklang. Bevor wir wussten, was nun passiert, steuerte die Reiseleiterin auch schon auf uns zu und begann ein Interview mit uns über japanisches Essen zu führen. Als sie mit unserer Reihe fertig war ging es weiter zur nächsten und so durch den ganzen Bus. Gyoza, Ramen, Gyoza, Natto, Umeboshi, Gyoza, Ramen, Sushi, Bier, Gyoza, Tonkatsu etc. Irgendwie haben wir es auf diesem Weg bis zum ersten halt geschafft, der allerdings nur wenige Minuten andauerte. Weiter ging es mit Programm im Bus und als unsere Koreanerin er gerade geschafft hatte für ein paar Minuten einzuschlafen mussten wir sie wieder wecken, weil die Betreuer ein wenig zur Zimmeraufteilung erzählen wollten. Mittagessen gab es dann beim zweiten Halt und kurz darauf haben wir auch schon unser Hotel erreicht.

Nach einer längeren Begrüßung und einem Spaziergang durch den Ort ging es dann für jede Gruppe in einen kleinen Nebenraum. Die normalen Klassen haben wohl einige Informationen zu ihrem Stundenplan bekommen, während unsere "Sondergruppe" basteln durfte. Jeder hat fleißig seine eigene Landesflagge gezeichnet, um sich später eindrucksvoll vor versammelter Mannschaft mal wieder vorstellen zu können ...

Aber dieses Mal haben sich immerhin nicht nur die Auslandsstudenten vorstellen müssen, denn auch die vielen Lehrer, die ebenfalls mit ins Camp gefahren sind, durften jeweils einige Worte zu sich sagen. Dann gab es wieder einige Informationen, bevor die Lehrer alle verschwanden und die Betreuer das Licht im großen Versammlungsraum aus machten. Als es wieder anging marschierte die ganze Gruppe in den lustigsten Verkleidungen wieder in den Raum. Von Pikachu über Son-Goku bis zum Weihnachtsmann war alles dabei! ~ Und dann wurde eine ganze Reihe von Spielen begonnen und die Stimmung schwankte zwischen Begeisterung, Verblüfftheit bis hin zur vollkommenen Verwirrung. Wir haben uns aber alle gut geschlagen und als die verschiedenen Gruppen gegeneinander in einem Renn-und-schnell-Trink-Wettbewerb gegeneinander antreten mussten hat unsere Gruppe sogar mir Abstand gewonnen! Und endlich war auch die Gelegenheit mit einigen der Japaner zumindest kurz ins Gespräch zu kommen.

Am Abend gab es auch noch kurz ein wenig freie Zeit und wir konnten einen Abstecher in das schöne Onsen mit Außenbereich machen, dass zum Hotel gehört. Und wer gedacht hat, dass alle brav und früh ins Bett geschickt werden, dem sei gesagt, dass es Nachts noch eine kleine Süßigkeitenparty zusammen mit den Betreuern gab ~

Recht kaputt mussten wir gegen 8 Uhr jedoch wieder aufstehen, durften das Buffett genießen und hatten dann noch einige Zeit, um unsere Stundenpläne zu erarbeiten und mit den anwesenden Lehrern über ihre Kurse zu sprechen. Schon am ersten Tag im Camp hatte uns eine der Lehrerinnen überrascht, als sie plötzlich in perfektem Deutsch mit uns gesprochen hat. Und als wir nun mit einer Frage zu einem der Lehrer sind hat auch er mit uns auf deutsch gesprochen. Da lernen wir Jahre lang japanisch und plötzlich sprechen in Japan scheinbar alle gutes deutsch!

Freundschaft zwischen Japan und Deutschland. (Kusatsu Onsen)

Im Bus zurück zur Universität wollten wir eigentlich alle nur noch schlafen, aber da war dann plötzlich wieder die muntere Reiseleiterin vom Vortag da, die auch heute nicht gerade für erholsamen Schlaf gesorgt hat!