Zur zweiten Kategorie gehörte der Punkte: "nach Tokyo laufen". Mit dem Zug dauert die über 40 Kilometer lange Stecke 50 Minuten - zu Fuß wesentlich länger. Die Idee den Weg einmal zu laufen war schon lange wieder aus meinem Kopf verschwunden, als an der Uni plötzlich Plakate für einen "Overnight Walk" aufgetaucht sind. Die Aktion klang gut und so bin ich einige Wochen später mit knapp 100 anderen Studenten von Ikebukuro (Tokyo) aus bis zu meiner Universität gelaufen. 42 Kilometer in 13 Stunden. 12 Uhr nachts bis 13 Uhr mittags. Am Ende sind einige der Mitstudenten humpelnd bis zur Uni, aber nur wenige haben auf dem Weg aufgegeben. Und ich war überrascht, wie fit ich zum Ende hin noch war. Die Politikdiskussionen der ersten Stunden sind auf dem Weg allerdings dann doch im Regen der letzten Stunden in Schweigen übergegangen. Viel später fiel ein zufälliger Blick auf die "To-Do-Liste" und besagter Punkt wurde kurzerhand in "von Tokyo aus zur Uni laufen" geändert und abgehakt.
13 Stunden Laufen waren erfolgreich geschafft und so wartete noch eine Steigerung: Einmal hoch auf den Fuji und wieder hinunter.
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| Der Gipfel des Fuji - gesehen von Station 5 der Subashiri Wanderroute |
Die Wandersaison für den Fuji ist relativ knapp, da selbst im Hochsommer auf 3700 Metern noch Schnee zu sehen ist. Und so sind die Rasthütten ab Juli nur für ungefähr 2 Monate geöffnet. Anfang August habe ich mich dann auf den Weg gemacht.
Auf die spontane Frage: "Hat jemand Lust den Fuji zu besteigen?" bekam ich einige bejahende Antworten und so waren wir letztendlich eine Gruppe von acht Personen. Neben drei Deutschen, einer Slowakin, zwei Koreanern und einem Chinesen hat sich auch ein Japaner zu uns gesellt. Mit dieser Gruppe ging an einem Sonntag Mittag mit dem Zug zuerst nach Gotemba und dann mit dem Bus hoch zur 5ten Station der Subashiri Wanderroute. Später als ursprünglich geplant sind wir erst gegen 19 Uhr dort gewesen, allerdings wurde uns gleich erzählt, dass 20 Uhr die perfekte Zeit ist, um die Wanderung zu beginnen. Wenn man zu früh geht muss man oben in der Kälte länger ausharren. Wir sind dann allerdings doch schon kurz nach 19 Uhr los und das hat sich später auch als die richtige Entscheidung erwiesen.
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| Nachtausblick vom Fuji |
Der erste Teil der Strecke führte noch durch den Wald und schon nach der ersten Stunde zeigte sich, dass die Strecke für einige doch eine große Herausforderung werden würde. Eine deutsche Freundin war extra aus Osaka gekommen um mit uns den Fuji zu erklimmen und eigentlich wäre das Ganze wohl kein Problem gewesen, wenn sie sich nicht wenige Tage vorher stark erkältet hätte. Ihr Gesundheitszustand hatte sich zwar bereits stark verbessert, aber die Idee, sich dennoch auf den Fuji zu wagen war nicht ihre beste. Zwei Stunden vor dem Gipfel blieb sie dann an einer der Raststationen, bei denen man auch übernachten kann, zurück. Die Aussicht bei Sonnenaufgang war auch nicht viel anders als von (fast) ganz oben. Aber auch der Rest der Truppe hatte ein sehr unterschiedliches Tempo und so haben wir uns natürlich immer dem gerade Langsamsten angepasst.
Je weiter wir nach oben gekommen sind, desto kälter wurde es und ein warmer Tee oder eine Schüssel Instantnudeln wurde immer verlockender. Da die Preise an den Raststationen allerdings mehr als unglaublich waren wurde darauf verzichtet und Proviant (ich sage nur „selbstgebackenes BROT“!) hatten wir genug dabei.
Die Subashiri Wanderroute ist eine der einsameren Wege und wir sind nur selten anderen Bergsteigern begegnet. Mehrfach hatten wir auch schon gelesen, dass der Fuji besonders vermüllt sein soll, zumindest bei unserer Route war dies aber nicht der Fall und wenn es nicht dunkel gewesen wäre, so hätten wir sicher viele gute Fotos machen können. Der Blick nach unten auf die beleuchteten Städte hat sich jedoch auch gelohnt!
Erst als sich eine weitere Wanderroute mit unserem Weg vereinigte wurde es belebter. Und die letzte Stunde ging es dann auch nur noch im Schneckentempo weiter voran. Immer einen Schritt hinter dem Vordermann oder der Vorderfrau mit vielem stehen bleiben zwischendurch. Immer schön in der Menschenschlange. Aus diesem Grund war der Gipfel bis zum Sonnenaufgang allerdings nicht mehr zu erreichen. Aber wir fanden gerade rechzeitig zu Beginn des Morgens einen guten Platz nur wenige Höhenmeter unter unserem Ziel von dem aus der Sonnenaufgang schön zu sehen war.
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| Sonnenaufgang über Japan |
Natürlich ging es dann auch noch den letzten Rest des Weges bis zum Gipfel des Vulkans. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir großes Glück mit dem Wetter. Zwar war es auf 3776 Metern Höhe auch im August noch so kalt, dass man hier und dort Schnee entdecken konnte, aber zumindest beim Sonnenaufgang hatten wir eine tolle Aussicht. Auch ein Blick in den Vulkankrater erlaubte das Wetter und die gute Sicht. Erst als wir uns gerade auf den Weg machen wollten einmal um diesen herum zu laufen begann es neblig zu werden. Plötzlich war nichts mehr zu sehen und wir entschieden uns doch dafür, den Abstieg zu beginnen.
Einige Stationen weiter unten sammelten wir unsere mittlerweile gut ausgeruhte Freundin wieder ein und weiter ging es bergab. Der Abstiegsweg unterschied sich vom Aufstiegsweg und wir kamen über die Geröllwege schnell voran. Letztendlich zeigte sich aber spätestens hier, dass (Wander-)Schuhe mit gutem Profil sehr hilfreich sind. So sah man den ein oder anderen ohne beim Abstieg auch mehrfach unfreiwillig im Sitzen den Berg hinab rutschen.
Fast ganz unten wurde der bisher sehr schöne Ausflug allerdings nochmal eine Nervenprobe. Unerwartet und plötzlich begann es heftig zu Regnen und bis auf unseren japanischen Freund war niemand perfekt für das Wetter ausgerüstet. Ich quetschte mich in meine viel zu kleine Regenjacke und hatte beim packen vor allem vergessen, dass mein Stoffrucksack natürlich nicht regenfest ist. Zwischendurch hörte der starke regen einmal plötzlich von einer sekunde auf die andere komplett auf. Leider blieb das nur für zwei Minuten so und dann schüttete es einfach so sark wie zuvor weiter. Endlich beim Bus an der 5ten Station angekommen konnten wir unsere pitschnassen Kleider auswringen und jeder der etwas Wechselkleidung hatte durfte sich freuen. Zurück ging es dann mit vielen nassen Sachen in Plastiktüten.
Gelohnt hat sich die Tour aber auf jeden Fall sehr. Und wenn man neben viel Proviant, guten Schuhen, warmer Kleidung und Regensachen auch noch Wechselkleidung dabei hat, dann kann eigentlich nichts schief gehen!


