Meine Universität und mein Wohnheim liegen, obwohl sie nur eine Stunde von Tokyo entfernt sind, doch relativ im Nichts. Natürlich gibt es einen Conbini (Convenience Store - ein kleiner 24 Stundenladen mit Lebensmitteln, Zeitschriften und einigem anderen), den man in 5 Minuten zu Fuß erreichen kann, und wir haben sogar einen "Do it yourself"Markt in der Nähe, aber zumindest die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung hören dann auch schon wieder auf. Durch Schulbusse ist es aber zumindest Werktags recht einfach zu den nächsten Bahnhöfen zu kommen. Also muss man hier nicht verzweifeln.
Andererseits beginnen genau hinter der Uni einige Hügel und alles ist bewaldet. Die Gegend hier ist wohl auch eine gute Umgebung, um Wandertouren zu starten. Und so bin ich in einer meiner ersten Wochen hier an der Universität am Wochenende einmal gegen 6 Uhr morgens spontan losgelaufen - ab in den Wald. Mein anfangs schöner Weg ist, je weiter ich gekommen bin, immer undeutlicher geworden und irgendwann war ich mir doch unsicher, ob ich nicht einfach mitten im Nichts gelandet bin. Immerhin war ich zwischenzeitlich an einem Funkmast vorbei gekommen und so hatte selbst mein Softbank-Handy Empfang. (Softbank scheint von allen japanischen Handyanbietern die meisten Probleme in Bezug auf den Handyempfang zu machen ...) Ganz auf mich allein war ich also nicht gestellt!
Um 7 Uhr morgens - vor allem wenn man in der Nacht davor nicht geschlafen hatte - kommt man doch auf komische Gedanken. Wenn jetzt ein Erdbeben kommen sollte (bisher hatte ich keines erlebt) und mir etwas passiert, findet mich dann je jemand mitten im Wald? Und angeblich gibt es hier doch Schlangen. Was, wenn ich einer begegne? Nichts davon ist letztendlich passiert und später habe ich tatsächlich einen Wegweiser gefunden. Zwei Richtungen und beide führen zu kleinen Tempeln. Die Zivilisation hat sich also wieder finden lassen.
Auf dem Rückweg ging es dann noch durch ein anderes Hügel-Waldstück und dort waren sogar richtige Wege zu finden. Meiner verschwand jedoch wieder und so musste ich mich irgendwann durchs Gestrüpp kämpfen. Das "Betreten VERBOTEN" Schild, das plötzlich am Rande meines kleinen Pfades lag, wurde dann auch nicht weiter beachtet - in welche Richtung es wohl gedeutet hat?
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| "Gefahr! - Betreten Verboten": Aber WO? |
Letztens war dann aber endlich Zeit und so bin ich wieder los, dieses Mal von einer anderen Stelle hinein in den Wald. Die ersten "Achtung Schlangen" Schilder waren schnell gesichtet und so ganz alleine unterwegs war wieder Zeit, sich Gedanken zu machen. Aber mir wird schon keine Schlange über den Weg laufen.
Gleich an der ersten Kreuzung habe ich mich für den schmaleren der beiden Wege entschieden, musste aber umdrehen, da vor mir plötzlich nur noch ein Abhang war. Dann ging es also doch den normalen und breiten Weg entlang, der mich schon nach wenigen Minuten an eine Stelle brachte, die ich von meinem ersten Spaziergang noch kannte - das "Wunderland". Hier stehen lauter große und kleine Figuren aus Holz in den Formen von Mäusen, einem Uhu etc. Etwas den Hügel nach unten verlagert ist auch ein Rastplatz und da ein Wegweiser mit dem Namen meiner Uni in diese Richtung zeigte bin ich diesem spontan gefolgt. Es war furchtbar schwül an dem Tag und so war es mir ganz recht, wenn sich der Spaziergang als eher kurz herausstellen würde. ... Falsch gedacht!
Am Rastplatz - einem großen Tisch mit Bänken drum herum - angekommen begann dann auch mein "Drama". Während ich gerade dabei war eine Nahaufnahme zu fotografieren hörte ich hinter mir plötzlich ein Rascheln. Ich drehe mich um und brauche ein paar Sekunden um zu realisieren, dass ganz nah hinter mir eine Schlange ist. In erster Reaktion mache ich einen Sprung nach hinten und schwenke den Blick um mich herum. Keine anderen Schlangen sind zu sehen und ich kann meinen Blick auf das Exemplar am Rastplatz werfen. Der erste Schreck sitzt noch tief in den Knochen aber mit etwas Abstand fühle ich mich wieder ein wenig sicherer und wage es ein paar Fotos aus der Ferne zu machen. Und jetzt entdecke ich auch, dass die Schlange gerade dabei ist einen Frosch zu verschlingen.
| Solange die Schlange den Frosch isst bin ich wohl sicher! |
Ich verweile nicht mehr lange und will nur noch so schnell wie möglich zurück zur Universität. Kaum bin ich 5 Minuten gelaufen sieht man mich aber erneut panisch aufspringen. Lediglich eine Mail an mein Handy hatte ich bekommen, aber das Vibrationssignal des Handys hat mich, die immer noch sehr erschreckt ist - erneut furchtbar überrascht. Ich antworte nur ganz schnell auf die Mail und als weitere 2 Minuten späternoch eine Antwort kommt zuckte ich wieder zusammen.
Der Weg zur Universität verläuft sich im Nichts und so darf ich nach einem längeren Lauf - immer schön mit dem Blick in alle Richtungen um ja nicht noch eine Schlange zu übersehen - wieder umkehren. Immerhin muss ich nicht noch einmal direkt am Rastplatz vorbei. Ich versuche auf breiteren Wegen zu bleiben und beeile mich. Ich will so schnell wie möglich aus dem Wald heraus. Vorerst war das wohl mein letzter Spaziergang ganz alleine im Wald.
Weitere 2 Wochen später taucht dann am Wohnheim ein Warnschild auf: Achtung Schlangen. Und während alle Anderen etwas besorgt über das Schild reden bin ich ganz gelassen - meine Schlangenbegegnung hatte ich ja bereits.
